Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V.
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Ethik-Positionspapier des BBU
 

Kontakt:
Regina Ludewig
Dr. Peter Schott

 

Arbeitsbereich Umweltethik

In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für ethische Bedenken  durch die zunehmende ökologische Bedrohung und Zerstörung der Lebensgrundlagen immer stärker entwickelt. Besonders aktuell wird die Umweltethik durch den mittlerweile lebensbedrohlichen Naturverbrauch und die Umweltzerstörung aufgrund der menschlichen Lebensweise. Sie bezieht in ihre ethische Bewertung Ressourcenverbrauch, Erhaltung ökologischer Lebensräume, Arterhaltung, Nachhaltigkeit, Verteilungs-, Verantwortungs- und Gerechtigkeitsaspekte ein (Potthast in Düwell/ Hübenthal/ Werner 2006: Handbuch Ethik).

Die technisierte Betrachtung globaler ökologischer und ökonomischer Probleme in dem Glauben, die ethischen und sozialen Probleme einer Gesellschaft alleine durch neue Technologien lösen zu können, hat sich in den letzten Jahrzehnten als Irrweg erwiesen.

Aktuelle Beispiele hierfür:
  •  Atomtechnologie, Atommüllendlagerung
  •  neue Produktions- und Technikverfahren wie Fracking, CS-Speicherung und   Nanotechnologien
Wider besseres Wissen sind die Risiken nicht lösbar, noch unerforscht oder lassen sich nicht abschätzen. Nachfolgende Generationen bekommen Lasten und Folgeschäden aufgebürdet, die sie nicht zu verantworten haben.

Im Vordergrund steht in den Industrienationen und in den wohlhabenden Ländern der Welt nach wie vor eine am Menschen und seinem  Wohlergehen orientierte Ethik. Ethik-Entwürfe, die auch die nicht menschliche Natur oder die zukünftigen Generationen stärker in das Blickfeld zu rücken versuchen, widersprechen dem immer noch vorherrschenden naturwissenschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Weltbild.

Daraus ergeben sich folgende  ethische Fragen: 
  • Wollen wir alle technischen Eingriffe in die Natur unterlassen, die für zukünftige Generationen das Risiko   bedeuten, die Wahl ihrer Lebensformen entscheidend einschränken zu müssen?
  • Wollen wir die außermenschliche Natur als ein  Wesen eigenen Rechts respektieren?
  • Inwieweit reichen die vorherrschenden ethischen Systeme für eine wirksame  Umweltverantwortung aus? (Schott 2011)
Die BBU Ethik AG möcht zu neuen Denkmodellen ermutigen. Wie kann eine Umwelt- oder Wirtschaftsethik aussehen, die Aspekte wie Verteilungsteilungsgerechtigkeit, Zugang zu Trinkwasser, Nahrung, medizinischer Versorgung, Wissen und Bildung unabhängig vom Einkommen in die Technikfolgenabschätzung mit einbezieht? Erhöht das die Lebensqualität und den Lebensnutzen aller Menschen und Lebewesen, auch in nachfolgenden Generationen? Oder werden ethische Normen so der Kosten-Nutzen-Rechnung untergeordnet? Wie kann verhindert werden, dass Ethikkommissionen in einer Alibifunktion und vermeintlicher Transparenz politisch unliebsame Entscheidungen wie bei der Atommüllendlagerung mittragen?

Richtig angewendete Umweltethik bietet eine gute Argumentationshilfe, um in der politischen Debatte mehr Nachdruck entwickeln zu können.